Kimi Antonellis titelgewinnende Saison 2026 markierte eine dramatische Wende bei Mercedes. George Russell begann das Jahr mit einem Sieg in Australien und schien gute Chancen zu haben, das Team anzuführen. Doch Antonelli holte sich den Titel vier Rennen vor Saisonende und beendete die Saison mit 130 Punkten Vorsprung auf seinen Teamkollegen.

Die wichtigsten Zahlen der Saison verdeutlichen den Abstand: Antonelli gewann neun Rennen, Russell drei, und erzielte 16 Podiumsplätze gegenüber Russells acht. Im Qualifying fiel der Vergleich jedoch deutlich knapper aus. In 109 vergleichbaren Trainings- und Qualifying-Sessions lag Antonelli 58-mal vorn, Russell 51-mal. In Q3 und im Sprint-Q3 betrug Antonellis medianer Vorsprung 0,185 Sekunden. Russell holte außerdem fünf Polepositions gegenüber Antonellis sieben und hatte im Sprint-Qualifying einen leichten Vorteil.

Der größere Abstand zeigte sich sonntags. Vergleicht man Runden in freier Fahrt, auf denselben Reifenmischungen und mit ähnlichem Reifenalter, war Antonelli in acht der neun Rennen mit genügend vergleichbaren Rennabschnitten ungefähr eine Viertelsekunde pro Runde schneller. Die Ausnahme war Baku: Russell gewann von der Poleposition, während Antonelli nach einem Unfall im Qualifying einen großen Teil des Rennens damit verbrachte, sich durch den Verkehr nach vorn zu arbeiten. Zudem war Russell häufiger von Problemen mit der Motorleistung von Mercedes betroffen, darunter Schwierigkeiten in Mexiko, Silverstone und Spa.

Die Analyse nennt unterschiedliche Kurventechniken als eine mögliche Erklärung. Russell hat seine Vorliebe dafür beschrieben, früh ans Gas zu gehen und sich auf den Kurvenausgang zu konzentrieren. Antonelli nimmt tendenziell mehr Geschwindigkeit mit in die Kurve, bremst etwas später und lenkt mit schärferen Lenkbewegungen ein, um das Auto zu drehen. Auch er beginnt oft früher mit dem Beschleunigen, allerdings sanfter, während Russell eher wartet und dann entschlossener Gas gibt.

Dieser Ansatz scheint sich in Kurvenfolgen und bei längeren Kurveneingängen auszuzahlen, wo Antonelli zwischen dem Einlenken und dem Scheitelpunkt Zeit gutmachen kann. Bei einer Auswertung von 11 seiner schnelleren Qualifying-Runden war er in diesem Kurvenabschnitt 71 % der Zeit schneller. Russell war dagegen häufig in kurzen, langsamen Kurven stärker, darunter mehrere Haarnadelkurven. Die Unterschiede können gering sein, doch Antonelli fuhr sechs Qualifying-Bestzeiten mit mindestens 0,35 Sekunden Vorsprung, Russell hingegen nur eine.

Auch das Reifenmanagement scheint dazu beigetragen zu haben. Antonelli hat den Schlupf der Hinterreifen im Allgemeinen gut kontrolliert, während Russell mit nachlassender Leistung zu kämpfen hatte, wenn sich die Hinterreifen abnutzten. In neun der 14 Rennstints, die sich direkt vergleichen ließen, fielen Russells Rundenzeiten mit zunehmendem Reifenalter schneller ab. Russell sagte, der höhere Reifendruck in dieser Saison habe die Hinterreifen weniger belastbar gegenüber aggressivem Beschleunigen gemacht und damit die Kurvenausgänge beeinträchtigt.

Das Auto und das Reglement von 2026 könnten Antonellis Ansatz entgegengekommen sein. Die Autos haben weniger aerodynamischen und mechanischen Grip als der vorherige Mercedes – eine Veränderung, die ihm nach eigenen Worten mehr Gefühl und Kontrolle gab. Der Ground-Effect-Abtrieb des Autos von 2025 hatte es ihm erschwert, die Vorderachse zu kontrollieren und Kurveneingänge anzugreifen; zudem war es schwierig, einen Gripverlust abzufangen. Antonelli sagte, er habe das Limit des neuen Autos bereits bei seinen ersten Runden beim Shakedown von Mercedes in Silverstone besser einschätzen können.

Sein Vorteil war nicht einfach auf einen neuen Fahrstil zurückzuführen: Der Unterschied war schon 2025 vorhanden, doch das vorherige Auto lag Russell mehr. Russell qualifizierte sich in jener Saison auf 15 Strecken vor Antonelli, 2026 auf sieben derselben Strecken. Russell hat versucht, sich Antonellis Ansatz anzunähern, doch seine Ergebnisse blieben uneinheitlich. Er beschrieb die Saison als eine ohne viele durchschnittliche Leistungen, während Antonelli ein konstanteres Niveau hielt.

Die Gründe könnten über das Fahrverhalten des Autos hinausgehen. In Austin schien Antonellis Ansatz in mittelschnellen Kurven weniger Gaseinsatz zu erfordern, während Russells Umgang mit dem Gas möglicherweise beeinflusste, wie viel Batterieenergie ihm später auf der Runde zur Verfügung stand. Die verfügbaren Informationen zeigen nicht, wie häufig oder in welchem Ausmaß dieser Unterschied auftrat. Russell hat jedoch argumentiert, dass Antonellis Fahrstil gut zu den Anforderungen des Motors von 2026 passt.

Mit Blick auf die Zukunft weist der Artikel darauf hin, dass die Änderungen beim Abtrieb, beim Energieeinsatz und bei der Reifenbalance in der nächsten Saison den Vergleich verändern könnten. Russell glaubt, dass Reifen mit stärkerer Belastung der Vorderachse ihm besser liegen könnten. Doch nach Antonellis eindrucksvollem Titelgewinn steht Russell vor der Aufgabe zu verstehen, warum er seine stärksten Leistungen nicht über die gesamte Saison hinweg halten konnte.

Quellen: The Race.